12.02.2019 au 13.02.2019
au Théâtre Municipal de la ville d'Esch-sur-Alzette

Viel gut essen

Weiß, heterosexuell und körperlich gesund, mit Ehefrau und Sohn und einem eigentlich ganz guten Job als Informatiker: ein Mittelschichtsmann Mitte 40, der ziemlich zufrieden ist mit sich selbst – und ungeheuer unzufrieden mit allen und allem um sich herum. Ja, wieso denn bloß diese Wut? « Das wird man wohl noch sagen dürfen! » ist ein immer öfter gehörtes Zitat aus der vermeintlichen Mitte der Gesellschaft, die sich mehr und mehr radikalisiert. Früher hörte man vereinfachende Parolen zu später Stunde am Stammtisch, heute vor allem in Internetforen oder als Online-Kommentare im Netz. Vielfach frustrierte und verängstigte Typen, die sich in reaktionären oder chauvinistischen Postings, bis hin zu Hasskommentaren, Luft machen. Der Troll schwadroniert, schimpft und räsoniert – über den Zustand der Gesellschaft, Eurokrise, Homo-Ehe, Feminismus und Migration.

Meist geht es gegen simple Feindbilder: Migranten, Pendler, Fahrradfahrer, Straßenbahnen, Flüchtlinge, Frauen, eministInnen, IT-Nerds, Homosexuelle, Juden, Muslime, Arbeitslose, Hipster, Veganer, Naturschützer, Berufspolitiker…
Sind wir einfachen Bürger, die hier geboren wurden, nur kleine Maschinen, die konsumieren, die Fresse halten und beizeiten abtreten sollen, damit wir keine Kosten verursachen? Das kann es doch nicht gewesen sein! « Volkes Stimme » meldet sich hier zu Wort…

Sibylle Berg rückt in ihrem 2014 entstandenen Text humorvoll und spitzzüngig in den Blick, was nicht erst seit heute schwelt. Sie lässt einen erschreckend normalen Verlierer sprechen, dem qua Geburt das Gewinnen doch fest versprochen war. « Viel gut essen » ist immer wieder schamund schonungslos, zynisch und provokant, aber es ist mindestens ebenso oft melancholisch. Das Stück ist oft brüllend komisch, aber dann auch wieder todtraurig. Und so hat man zwischendurch sogar Mitleid mit dem rechtspopulistischen Jedermann, manchmal sogar Verständnis für ihn.

« Das neue Berg-Stück ist (…) wirklich eine große Nummer. »

Der SPIEGEL, 20.10.2014

Dauer: 1h15, keine Pause

Regie:
Anne Simon
Dramaturgie:
Sarah Rock
Bühne:
Anouk Schiltz
Assistenz:
Nadia Masri

Mit:
Nickel Bösenberg,
Marly Marques, Pitt Simon

12.02.2019 à 20:00 Acheter des tickets
Kulturpass EUR 1,50 vente à la caisse du théâtre
13.02.2019 à 20:00 Acheter des tickets
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